In unserer Region war Laubholz der von der Natur vorgegebene Bewuchs. Vorkommende Holzarten waren alle bekannten einheimischen Laubhölzer wie Buche, Eiche, Birke, Hainbuche, Esche, Ahorn, Ulme, Linde, Erle, Weide, Wildapfel, Birne, Eberesche, Haselnuß und Faulbaum.

Bedingt durch die Besiedlung der Kelten, ab 400 v.Chr., wurden diese nach und nach verdrängt. Diese Besiedlung galt dem reichlichen Vorkommen des Eisenerzes. Zur Verhüttung des Eisenerzes war wiederum Holzkohle notwendig. So erfolgten die ersten Eingriffe in das Waldgefüge. Auch die Ernährung mußte gesichert werden; Brandrodungsfeldbau brachte einen weiteren Eingriff in den Wald. Die kurzfristige Nutzungsmöglichkeit der Rodungsfläche für den Feldbau führte frühzeitig zur Niederwaldwirtschaft. Man erkannte die Vorteile, die schwächeres Holz bot. Man nutzte das Holz zur Holzkohlegewinnung, als Brennholz, für den Bau von Hütten, zur Abwehr von Tieren usw.

Eisen bedeutete damals schon Reichtum. So blieb es nicht aus, daß mit unserem Wald auch Raubbau betrieben wurde, denn die Entwicklung bei der Verhüttung des Eisenerzes ging ja auch weiter. Es wurden immer größere Mengen Holzkohle und somit Holz benötigt. Als weiterer Erwerbszweig wurde auch noch die Gewinnung der Eichenlohe genannt. Sie entwickelte sich durch den hohen Lederbedarf zur guten Einnahmequelle.

Ab 1480 wurde durch Einflussnahme der Landesherren der Versuch gemacht, den Hauberg als Lebensunterhalt der Menschen zu sichern. Es durfte nur noch wenige Monate im Jahr Eisen verhüttet werden, da der Haubergswald als vollkommen holzleer geschildert wurde. In der Folgezeit erholte sich der Wald;. wurde jedoch durch den Dreißigjährigen Krieg wieder zunichte gemacht.

Erst 1743, in der Haubergsordnung für die Grafschaft Sayn, wurde gefordert, den Hauberg in ordentliche Schläge zu teilen. Je nach der festgelegten Umtriebszeit, z. B. 18 Jahre, musste der Hauberg insgesamt in 18 Schläge aufgeteilt werden. Das heißt: für jedes Jahr musste eine gleichwertige Fläche zur Verfügung stehen.

Seit frühester Zeit war innerhalb einer Haubergsgenossenschaft der gemeinsame Besitz auf die Höfe anteilmäßig verteilt. In den folgenden Jahrzehnten und Jahrhunderten war durch den Verkauf oder Erbgang eine weitere Aufteilung dieser Anteile erfolgt. Aus ökonomischen Gründen wurden jedoch die Haubergsgenossen gezwungen auf Nadelwald umzuforsten und haben zwischen 1880 und 1890 die ersten Fichtenkulturen angelegt.

Ab 1947, in der Zeit der Nachkriegsnot, blühte die Haubergswirtschaft mit Waldfeldbau, Weidewirtschaft, Ginsternutzung, Grassamen und Lohgewinnung noch einmal richtig auf. Diese Art der Haubergswirtschaft war harte Arbeit.

Kreislauf der Haubergswirtschaft
Der Abtrieb, das Niederhauen war Männerarbeit. Alle Weichhölzer wurden abgehauen bzw. die Stämme mit der Axt gefällt. Die Stämme wurden an den Wegrand geschleppt, dort abgestapelt, wo sie bis zur Abfuhr liegen blieben. Die bei der Aufarbeitung abgeschlagenen Reiser ergaben Schanzen. Dickere Äste ergaben im Dermbacher Hauberg "Knäewwelsbüädscher".

Das Lohschälen
wurde an den noch aufrechtstehenden Eichen vorgenommen. Im Frühjahr, wenn die verbliebenen Eichen noch im Saft standen, begann das Lohschälen. Die Rinde wurde mit dem Lohlöffel bis auf eine Höhe von ca 4-5 m fortgesetzt und am Stamm trocknen gelassen.

Das Abbrennen und Hacken wurde gemeinsam vorgenommen, um einen Waldbrand zu verhindern. Wenn der Hauberg frei von Holz und Lohe war, wurde Feinreisig, Gras und sonstiger Aufwuchs verbrannt. Die Asche wurde als Dünger auf der gesamten Fläche verteilt.

Für die landwirtschaftliche Zwischennutzung war der Hauberg bereit für das Aussäen von Winterroggen. Das einarbeiten des Saatgutes erfolgte meist mit der Harke und wurde im Herbst mit der Sichel geschnitten. Der Einsatz der Sense war unzulässig, um die Stockausschläge zu schonen.

Die Viehweide und sonstige Nutzungen
Nach 8 bis 10 Jahren wurden Kühe im Hauberg zur Weide zugelassen. Als Nebennutzung ist die Waldbeerernte zu erwähnen. Die Waldbeere gedieh in grossen Mengen und konnte als Bestandteil des Lebensunterhaltes bezeichnet werden,. Auch die Ginsternutzung war für die Haubergsgenossen wichtig. Der Ginster diente als Streu für das Vieh.

Doch die Haubergswirtschaft blühte nur kurzfristig auf. Es wurde auch im Hauberg von Dermbach Niederwald in Hochwald überführt. Bei 287 ha Verwaltungsfläche beträgt der Hochwald 1999 ca. 195 ha, Niederwald ca 74 ha und Wege und Sonstiges ca 18 ha. Nach Monokulturen der letzten 30 Jahre steht schon wieder ein Wandel an, um den einzelnen Baum standsicher zu machen. Packen wir's an.

So grüßen wir mit dem Haubergsruf: Hawher - Hauher.